Personalabbau in der Kreisverwaltung – GRÜNE beraten Haushaltsplan 2026

Am Samstag, den 06. Juni 2026 kam die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Odenwälder Kreistag zusammen, um den Entwurf des Haushaltsplanes zu beraten, den Landrat Frank Matiaske am 1. Juni 2026 in den Kreistag eingebracht hatte. An der Haushaltsklausur nahm neben den GRÜNEN Kreistagsabgeordneten auch der GRÜNE Beigeordnete Horst Kowarsch teil. Zu Beginn der Klausur hatte die Fraktion den Leiter der Finanzabteilung des Landratsamtes Herrn Schäfer eingeladen, der den Haushaltsentwurf vorstellte und Fragen der Fraktion beantwortete. Die Haushaltsberatungen gestalten sich dieses Jahr für die ehrenamtlichen kommunalen Mandatsträger*innen als zeitlich besonders herausfordernd, da das Zahlenwerk mit seinen Anlagen insgesamt rund 450 Seiten umfasst und bereits im Kreistag am 22. Juni 2026 beschlossen werden soll.

Die herausfordernde Haushaltslage bereitet den GRÜNEN weiterhin Sorgen. Laut Plan weist der Kreishaushalt im Jahr 2026 bei Aufwendungen von rund 240 Millionen Euro und Erträgen von  rund 232,5 Millionen Euro einen Fehlbedarf von rund 7,5 Millionen aus. Diese Finanzlücke soll unter anderem durch neue Schulden geschlossen werden; insbesondere der erneute geplante Aufwuchs von kurzfristigen Kassenkrediten sehen die GRÜNEN kritisch. So hatte die hessische Landesregierung – damals noch mit Beteiligung von Bündnis 90/Die GRÜNEN – 2018 mit der Hessenkasse ein umfangreiches kommunales Entschuldungsprogramm aufgelegt, von dem auch der Odenwaldkreis nachhaltig profitierte. Die heutige Landesregierung (CDU-SPD) treibt nun die Kommunen erneut in die Schuldenfalle. Der Haushaltsplan macht deutlich, dass die aktuellen Unterstützungsmechanismen des Landes und des Bundes nicht ausreichen, die lokalen Aufgaben zu erledigen.

Vor diesem schwierigen Hintergrund sehen die GRÜNEN die geplante Einrichtung einer zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordnetenstelle weiterhin kritisch. Diese Stelle kostet 2026 für drei Monate bereits 45 Tausend Euro. In den darauf folgenden Jahren betragen die Kosten rund 180 Tausend Euro. Gleichzeitig ist dem Stellenplan zu entnehmen, dass dieses Jahr insgesamt 8,48 Stellen eingespart werden sollen. So fallen zum Beispiel Stellenanteile im WIR-Programm (Wegweisende Integrationsansätze realisieren), bei der Dorf- und Regionalentwicklung  sowie im Bereich Bildung und Teilhabe weg. Auch in der Unteren Wasserbehörde und mit Blick auf das Projekt „Ökomodellregion“ ist der Stellenabbau deutlich spürbar. Zwischen 2026 und 2029 soll die Anzahl der Stellen in der Kreisverwaltung von 570,75 auf 525,75 sinken. Ziel des Personalabbaukonzepts sind schlussendlich 500 Stellen in der Kreisverwaltung und in den Schulen.

„Für die Grünen-Fraktion ist auf dieser Grundlage wenig nachvollziehbar, warum eine zusätzliche teure Managementstelle geschaffen werden soll, während auf der Arbeitsebene gespart wird,“ so der Fraktionsvorsitzende Dr. Jonas Schönefeld zum Ergebnis der Klausur. „Dieser Personalabbau darf nicht zulasten der Bürgerinnen und Bürger und unserer Unternehmen gehen. Wenn mit Hilfe von Digitalisierung und besseren Prozessen weniger Arbeitskraft in der Verwaltung benötigt wird, ist das sinnvoll. Allerdings sind Beschwerden aus der Bürgerschaft über langsame und bürokratielastige Verfahren im Odenwälder Landratsamt bereits heute leider keine Seltenheit. Wir werden daher sehr darauf achten, dass der Service für unsere Bürgerinnen und Bürger, sowie für unsere Unternehmen, nicht unter diesem Personalabbau leidet“, so Schönefeld weiter.

Trotz des Personalabbaus werden laut dem Haushaltssicherungskonzept ab 2027 die Abgaben steigen: So ist ein Aufwuchs der Kreisumlage von aktuell 58% auf 61,11% ab 2027 bereits jetzt schon vorgesehen. Die Sparmaßnahmen reichen also bei weitem nicht aus, um die neue Stelle des 2. Kreisbeigeordneten zu refinanzieren. Vielmehr werden die jährlichen 180 Tausend Euro de facto durch neue Schulden und eine höhere Belastung der Odenwälder Städte und Gemeinden und somit der Bürgerinnen und Bürger finanziert. „Dieses Muster kennen wir leider schon von der aktuellen schwarz-roten Landesregierung: Das Management wird aufgebläht während unten gespart wird“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Elisabeth Bühler-Kowarsch. „Leider verfolgt Schwarz-Rot im Odenwaldkreis mit Unterstützung der Freien Wähler nun eine ganz ähnliche Linie.“

Die GRÜNEN-Fraktion ist bereit für die Ausschusswoche, in der die thematische Ausgestaltung des Haushalts näher beleuchtet wird. „Auf dieser Grundlage werden wir dann als Fraktion unsere finale Positionierung zum Haushalt festlegen. Unser politischer Kompass ist dabei ein sozialer, nachhaltiger und bürgerfreundlicher Landkreis“, so Schönefeld zum Abschluss.