Mit Freude reagieren die Odenwälder GRÜNEN auf die Nachricht, dass der Neubau der Zeller Brücke voraussichtlich bis Juni 2027 abgeschlossen sein soll. Wie das Odenwälder Echo am 27.2. berichtete, soll dann der Verkehr wieder über die B 45 geführt werden können. Dadurch würden die Bürgerinnen und Bürger in Zell sowie in weiteren betroffenen Kommunen spürbar von dem hohen Verkehrsaufkommen durch die bisherigen Umleitungen entlastet.
Enttäuschung äußerte hingegen der Sprecher der Odenwälder GRÜNEN, Tim Koch. Anlass ist die Information aus der Presse, dass beim Neubau der Brücke keine Zweigleisigkeit der Odenwaldbahn vorgesehen ist.
Bereits im Juni 2025 hatten sich die GRÜNEN in einem offenen Brief an Verkehrsminister Kaweh Mansoori gewandt und darin geschrieben:
„Die Zeller Brücke überquert die Odenwaldbahn, eine für den Odenwaldkreis zentrale Schienenverbindung, die derzeit eingleisig betrieben wird. Auch wenn in der „Erbacher Erklärung“ sowie in der aktuell gültigen Planungsvereinbarung ein zweigleisiger Ausbau der Strecke nicht vorgesehen ist, möchten wir mit Nachdruck dafür werben, dass die bauliche Ausführung der neuen Brücke so konzipiert wird, dass ein solcher Ausbau in Zukunft technisch möglich bleibt. Moderne Brückenbauwerke werden heute in der Regel mit einer geplanten Nutzungsdauer von rund 100 Jahren konzipiert. In einem solchen Zeithorizont ist es realistisch anzunehmen, dass sich sowohl verkehrliche Anforderungen als auch politische Rahmenbedingungen erheblich verändern können. Angesichts wachsender Mobilitätsbedarfe, der angestrebten Verkehrswende sowie der Notwendigkeit zur Stärkung des Schienenverkehrs im ländlichen Raum erscheint es aus heutiger Sicht geboten, durch eine vorausschauende bauliche Auslegung der Brücke spätere Optionen nicht dauerhaft zu verbauen. Wir regen daher an, dass bei der Auslegung des Brückenbauwerks sichergestellt wird, dass ein zweigleisiger Ausbau der Odenwaldbahn unterhalb der Brücke langfristig möglich bleibt. Da Hessen Mobil die Federführung für das Projekt innehat, möchten wir Sie bitten, im Rahmen Ihrer Zuständigkeit darauf hinzuwirken, dass diese langfristige Perspektive in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung einfließt. Eine frühzeitige technische Prüfung und gegebenenfalls eine Anpassung der Planungsgrundlagen könnten verhindern, dass spätere Generationen mit erheblichen Mehrkosten oder gar unüberwindbaren baulichen Hürden konfrontiert werden.“
Auf diesen offenen Brief erhielten die GRÜNEN bis heute keine Antwort von Verkehrsminister Mansoori. Stattdessen erfuhren sie aus dem Bericht im Odenwälder Echo, dass eine Zweigleisigkeit der Odenwaldbahn im Bereich der Zeller Brücke nicht mehr möglich sein soll.
Ergänzend stellen die GRÜNEN klar, dass die Odenwaldbahn laut der Planungsvereinbarung, die vor gut einem Jahr zwischen dem Land Hessen, dem RMV, der DB InfraGO AG und der DB Energie GmbH geschlossen wurde, künftig teil‑elektrifiziert und mit batterieelektrischen Zügen betrieben werden soll. Dass im Bereich der Zeller Brücke keine Oberleitung vorgesehen ist, steht der Elektrifizierung der Odenwaldbahn insgesamt zwar also nicht entgegen, da die Züge diesen Abschnitt künftig im Batteriebetrieb passieren können. Dennoch ist laut GRÜNEN unklar, ob man künftig nicht doch die Möglichkeit vermissen wird, dort eine Oberleitung zu errichten.
„Bei aller Freude über die zügige Planung und Auftragsvergabe für den Brückenneubau bleibt bei uns GRÜNEN die Enttäuschung darüber, dass an dieser Stelle mögliche Optionen für die Zukunft nicht berücksichtigt wurden“, erklärt Elisabeth Bühler‑Kowarsch, Sprecherin des Kreisverbandes. „Hier wird die Zukunft der Odenwaldbahn möglicherweise im wahrsten Sinne des Wortes verbaut“, so Bühler‑Kowarsch weiter.
Zusätzlich setzt sich Tim Koch dafür ein, den neu geschaffenen Radweg von der Zeller Brücke bis zum Eichelshof auch nach Abschluss der Bauarbeiten dauerhaft zu erhalten. Der Radweg bietet der wachsenden Zahl von Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern im Odenwald eine direkte und stark genutzte Verbindung zwischen Etzen‑Gesäß und Asselbrunn, ohne dabei in nennenswerten Konflikt mit dem Autoverkehr zu geraten. „Es wäre sehr schade, wenn diese deutliche Verbesserung für den Radverkehr nach dem Neubau der Brücke wieder zurückgenommen würde“, so der Sprecher der Odenwälder Kreis‑GRÜNEN abschließend.